23. September 2026

Wir sind Schönberg – Boris

Eine Operation, Schmerzen oder der Verlust der eigenen Selbstständigkeit können auch psychisch belasten. Boris ist unser klinischer Psychologe und begleitet Patientinnen und Patienten während der Rehabilitation. Im Interview erzählt er, warum die Psyche für die Rehabilitation eine wichtige Rolle spielt, was ihm im Gespräch mit Menschen wichtig ist und weshalb er besonders gerne mit älteren Menschen arbeitet.

Boris, was macht ein klinischer Psychologe in einer Rehaklinik?

Ich begleite Menschen, die neben ihren körperlichen Beschwerden auch psychisch belastet sind. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Manche sind nach einer Operation überfordert oder verunsichert, andere leiden unter Schmerzen oder sogar Depressionen. Viele müssen sich mit einer völlig neuen Lebenssituation auseinandersetzen.

Gerade bei älteren Patientinnen und Patienten kommen häufig Verluste dazu: Vielleicht ist der Partner oder die Partnerin verstorben, die Mobilität nimmt ab oder es zeichnet sich ab, dass eine Rückkehr nach Hause nicht mehr möglich ist. Solche Veränderungen müssen erst einmal verarbeitet werden.

Welche Rolle spielt die Psyche für die Rehabilitation?

Eine sehr grosse. Körper und Psyche beeinflussen sich gegenseitig. Wer psychisch belastet (oder depressiv) ist, hat oft ein grösseres Schmerzempfinden und die Heilung braucht mehr Zeit. Gleichzeitig fällt es Betroffenen manchmal schwerer, sich für die Therapien zu motivieren und aktiv mitzumachen.

Man ist sich den eigenen Körper von früher gewohnt und möchte möglichst schnell wieder dort anknüpfen. Oft kommt uns dabei auch unser Leistungsdenken in die Quere. Aber unser Körper und unsere Psyche brauchen manchmal mehr Zeit, als wir es uns wünschen.

Wann wird deine Unterstützung besonders wichtig?

Zu Beginn der Rehabilitation, beziehungsweise wenn mehrere Belastungen gleichzeitig zusammenkommen: Eine neue Situation, Schmerzen, Unsicherheit und vielleicht sogar Schwierigkeiten im privaten Umfeld. Stellt man den Leidensdruck eines Menschen seinen vorhandenen Ressourcen gegenüber, zeigt sich, ob die Belastung zu gross ist, um sie allein zu bewältigen. Dann kann psychologische Unterstützung sinnvoll sein.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Morgens startet der Tag mit dem Ärzterapport. Danach folgen Gespräche mit Patientinnen und Patienten, Rapporte mit anderen Bereichen (z. B. Physiotherapie) oder telefonische Abklärungen. Ein weiterer Teil meiner Arbeit sind Assessments bei geriatrischen Patientinnen und Patienten. Dabei beurteile ich, ob Hinweise auf eine Demenz bestehen.

Ausserdem leite ich unsere Schmerzgruppe. Dort beschäftigen wir uns damit, wie Schmerzen entstehen und wahrgenommen werden. Nach einem kurzen fachlichen Input gebe ich unseren Patientinnen und Patienten beispielsweise Achtsamkeitsübungen mit auf den Weg. Aufmerksamkeit und Gedanken können beeinflussen, wie intensiv wir einen Schmerz wahrnehmen.

Wie schaffst du es, in kurzer Zeit Vertrauen aufzubauen?

Authentizität ist wichtig. Ich begegne den Menschen offen, mit Wertschätzung und möglichst ohne Vorurteile. Gerade weil wir uns während einer Rehabilitation oft nur wenige Male sehen, sind Zuhören, Interesse und eine vertrauensvolle Atmosphäre besonders wichtig.

Was macht dir an deiner Arbeit besonders Freude?

Wenn ich am Abend das Gefühl habe, dass ich jemandem helfen konnte. Das kann ein Einzelgespräch sein, nach dem es der Person besser ging. Oder wenn ich eine Gruppe hatte, in der eine spannende Diskussion entstanden ist und die Teilnehmenden etwas für sich mitnehmen konnten.

Was ich an der Klinik Schönberg sehr schätze, ist die Zusammenarbeit. Die verschiedenen Berufsgruppen arbeiten eng zusammen; das wird auch von unseren Patientinnen und Patienten wahrgenommen. Die gute Stimmung im Team, die gemütlichen Räumlichkeiten und natürlich die Lage tragen ebenfalls dazu bei, dass ich gerne hier arbeite.

Wie bist du bei der Psychologie gelandet?

Mich hat schon immer interessiert, wie wir Menschen funktionieren. So kam ich zur Psychologie.

Vor der Klinik Schönberg habe ich mehrere Jahre in psychiatrischen Einrichtungen und in der Geriatrie des Spitals Burgdorf gearbeitet.  Jeder Mensch bringt seine eigene Lebensgeschichte und seinen ganz persönlichen Rucksack mit. Bei älteren Menschen ist die Geschichte länger, der Rucksack grösser. Ich höre tagtäglich Biografien von Menschen. Das macht die Arbeit mit älteren Menschen so spannend.

Boris Sperisen, unser klinischer Psychologe

«Viele unterschätzen, was eine Operation oder ein gesundheitlicher Rückschlag psychisch auslösen kann.»

Zum Schluss: kurz gefragt

Kopf oder Bauch?

Bauch.

Deine wichtigste Eigenschaft im Beruf?

Gut zuhören und authentisch sein.

Analysiert ein Psychologe eigentlich ständig andere Menschen?

Bewusst nicht. Aber manchmal ertappe ich mich beispielsweise im Zug dabei, dass ich eine Einschätzung vornehme, wenn sich Menschen auffällig verhalten.

Was hilft dir selbst an einem schlechten Tag?

Den Tag so nehmen, wie er ist. Und versuchen, das anzuwenden, was ich auch anderen vermittle, zum Beispiel Achtsamkeits- oder Entspannungsübungen.

Wie würdest du deinen Beruf in drei Worten beschreiben?

Menschen verstehen und begleiten.

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